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Die Stadt Hameln und ihre Juden
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Ein Gang durch 700 Jahre gemeinsamen Lebens

Die Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Juden in Hameln in der Zeit der Renaissance

Die Stadt Hameln durchlief in dieser für die Juden so schlimmen Zeit eine überaus günstige Entwicklung. Sie gehörte lange Jahre der Hanse an.

Das 16. und frühe 17. Jh. – also die Zeit vor dem Dreißigjährigen Kriege – war ihre kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit, "das glücklichste und glanzvollste Jahrhundert der Stadt- und Bürgergeschichte". Vom Reichtum und Selbstbewusstsein des Großbürgertums zeugen die Steinbauten der Weserrenaissance. Die Welt des Humanismus und der Renaissance bestimmten die Atmosphäre der Stadt.

Machte das allgemeine judenfeindliche Klima vor den Mauern der Stadt Hameln Halt? Noch hatte der Rat seine Selbständigkeit, konnte er Juden auch gegen den Willen des Landesherrn aufnehmen und sie rechtlich besser stellen.

Stadt Hameln 1622
Die Stadt Hameln im Jahre 1622, noch mit mittelalterlicher
Befestigung
Quelle StA Hameln

Juden sind in Hameln bald nach der Pest (erstmals 1360) wieder nachweisbar, aber vermutlich in geringer Zahl. Ihre Anzahl war in Norddeutschland seit der Pest und den Vertreibungen allgemein stark zurückgegangen.

Im 16. Jahrhundert lebte über längere Zeit nur ein einziger Schutzjude in der Stadt. Er hieß Israel und wohnte mit seinem großen Haushalt in der "Oster-Bauernschaft".

Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Offenheit des Rates gegenüber den Juden noch erhalten hat. 1535 setzte sich Hamelns Obrigkeit für die Abschaffung von Verspottungen von Juden ein. "Den Juden auf die Haut werfen" war als makabres Fastnachtsvergnügen verbreitet – immerhin ein Indiz, dass Teile der Stadtbevölkerung ihren Spott mit den Juden trieben. 1570 wurde ein Christ wegen "Gewalt an Juden" zu 6 Pfund Strafe verurteilt.

Gegen mehrere landesherrliche Judenvertreibungen, die häufig nur die Erpressung von Geld zum Ziel hatten, opponierte die Stadt oder setzte sich darüber hinweg. So "auffällig judenfreundlich" haben sich damals nur ganz wenige niedersächsische Städte verhalten.

Ab 1585 wurden die Freiheiten der Städte durch die Landesherren beschränkt. Die Stadt wurde in den absoluten Fürstenstaat eingegliedert und verlor ihre Selbständigkeit. Die städtischen Judenschutzrechte wurden faktisch annulliert. Der Landesherr entschied nun, ob Hameln Juden aufnehmen darf und legte ihre Anzahl und Aufenthaltsdauer fest. Die Judenpolitik des Landesherren wurde immer restriktiver.

1625 öffnete die Bürgerschaft den Truppen Tillys die Tore. Der Dreißigjährige Krieg zerbrach den früheren Wohlstand der Stadt auf lange Zeit. Wirtschaftlich und politisch lag die Stadt für lange Zeit am Boden.

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© Bernhard Gelderblom Hameln