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Die Stadt Hameln und ihre Juden
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"Die Stadt Hameln und ihre Juden"

 
 

Widmung

 
Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung,
das Gegenteil von Erinnerung und Gedächtnis nicht Vergessen,
es ist wiederum Gleichgültigkeit.

Nur Erinnerung kann gegen sie ankämpfen.

Wenn wir aus dieser Gleichgültigkeit ausbrechen,
kann die Vergangenheit mit all dem Grauen, das sie enthält,
ein Schutzschild für die Menschheit werden.

Elie Wiesel

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Dieser Text, der sich auf einer Tafel am Mahnmal für die zerstörte Synagoge in der Bürenstraße befindet, war bei der Arbeit an dieser Webseite leitend.

Diese Webseite ist dem Gedenken der über Einhundert im Holocaust umgebrachten Kinder, Frauen und Männer der Hamelner jüdischen Gemeinde gewidmet. Sie wendet sich zu allererst an die Überlebenden dieser Gemeinde und ihre Nachkommen, die heute verstreut über die ganze Welt leben.
 

 
Einführung

Schutzjude im Mittelalter
Siegel
Jüdische Freiwillige
Fassade der Synagoge
Dr. Kratzenstein
Mahnmal

Immer noch stellen sich in Deutschland beim bloßen Hören des Wortes Jude Gefühle der Schuld, des Unbehagens und der Unsicherheit ein. Das kann nicht überraschen, wenn man sich vor Augen hält, dass Juden zumeist nur als Ausgegrenzte, Opfer, Sterntragende, Verfolgte wahrgenommen werden.

Die Konzentration auf den Holocaust als ein außerordentliches, aus der Geschichte herausstehendes Ereignis verstellt uns den Blick auf die Tatsache, welch lange Geschichte die Juden in Deutschland haben. Wir neigen dazu, die Geschichte und Kultur der Juden vor und nach dem Holocaust auszublenden.

In Deutschland lebten seit 800 und bis 1945 ständig Juden. Nach 1945 haben sich neue jüdische Gemeinden gebildet. Eine solche Kontinuität gibt es in kaum einem anderen europäischen Land. So konnte sich hier eine eigenständige jüdische Tradition und Kultur entwickeln.

In der Konzentration auf den Holocaust erscheinen die Juden nur als Opfer. Tatsächlich gibt es eine lange von den Juden selbst bestimmte oder doch beeinflusste Geschichte und eine tiefe Verankerung in der regionalen und lokalen Geschichte.

In Hameln leben Menschen jüdischen Glaubens seit dem frühen 14. Jahrhundert. Ein Gang durch 700 Jahre gemeinsamen Lebens von Christen und Juden in dieser Stadt, ist das ein Gang durch 700 Jahre Diskriminierung, Ausgrenzung, Gewalt und Mord?

Auf dieser Webseite soll das Beziehungsgeflecht zwischen Juden und Christen in Hameln untersucht werden. Vor Ort sah manches anders aus, funktionierte vieles, ermöglicht und erzwungen durch die Notwendigkeit der konkreten Zusammenarbeit in der Enge der kleinen Stadt. Vielleicht waren das enge nachbarliche Verhältnis, Gewöhnung, ja Freundschaft wirksame Hindernisse gegenüber der Ausbreitung von Antijudaismus und Antisemitismus?

Besonders für das 19. und das erste Drittel des 20. Jahrhunderts gilt, dass Juden aktive Mitgestalter des Alltagslebens in Hameln und der umliegenden Gemeinden waren, geachtete und gleichberechtigte Bürger, dass sie nicht "bei uns", sondern "mitten unter uns" lebten, nicht Juden, sondern Deutsche waren. Deswegen versucht diese Webseite immer wieder, eine Begegnung mit jüdischen Individuen zu ermöglichen, Einzelpersonen und handelnde Subjekte vorzustellen. Auf diese Weise können am ehesten antijüdische und antisemitische Klischees aufgebrochen werden.

Anders als die Christen waren die Hamelner jüdischen Glaubens überwiegend im Handel tätig. Über einen langen Zeitraum hatte sich zwischen Christen und Juden eine Symbiose zum gegenseitigen Nutzen entwickelt.

Die jüdischen Bewohner Hamelns waren wie die christlichen bodenständig und zumeist schon seit Generationen hier oder im Umland ansässig. Es gab außer auf religiösem Gebiet keine sich absondernde "jüdische Gesellschaft" in der Stadt. Juden waren wie Christen Mitglieder der verschiedenen Vereine und nahmen, seit es möglich war, auch am politischen Leben der Stadt teil. Die Stadt und ihr Wohl war gemeinsamer Bezugspunkt aller Bewohner.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein waren jüdische Menschen in Hameln weit vor den Katholiken die größte religiöse Minderheit; sie lebten ihre Religion offen und selbstbewusst, wissbegierig und teilnehmend betrachtet von ihren christlichen Nachbarn.

Die jüdische Bevölkerung in Hameln war keineswegs homogen. Neben bürgerlich gut situierten Familien gab es auch eine Gruppe armer jüdischer Menschen.

Die Menschen, die wir heute allgemein als Juden bezeichnen und damit den NS-Sprachgebrauch übernehmen, waren tatsächlich Deutsche, jüdische Deutsche, deutsche Staatsbürger. Die Trennung in "Juden" und "Deutsche" ist ein späteres Konstrukt.

 

Adressaten

Diese Webseite wendet sich an Lehrerinnen und Lehrer, ist aber so gestaltet, dass jedermann daraus Nutzen ziehen kann.

Eine weitere Webseite des Autors, die sich eher an Fachhistoriker wendet und weitere Themen der regionalen Geschichte enthält, finden Sie unter dem Titel "Hamelns Geschichte - abseits vom Rattenfänger".

 

Umgang mit der Webseite

Wenn Sie nach Namen und anderen Begriffen in der Webseite suchen, gehen Sie bitte über die Startseite und dort in der rechten Navigation auf "Suche in den Webseiten". Die Suche ist technisch einfach gehalten, sie führt zu Stichwörtern in zwei verschiedenen Webseiten, speziell zum Thema "Juden". Sie werden in der Regel mehr Seiten finden, als Sie benötigen.

Zum Stadtrundgang gibt es eine PDF-Datei, die Sie auf der entsprechenden Einführungsseite erreichen.

Zahlreiche Fotos und Dokumente können durch Anklicken vergrößert und dadurch gegebenenfalls lesbar gemacht werden.

 

Förderung

Gefördert wurde die Erstellung dieser Webseite durch das Leo Baeck Programm "Jüdisches Leben in Deutschland – Schule und Fortbildung", eine gemeinsame Initiative der Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e. V., des Fonds "Erinnerung und Zukunft" und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Die Erstellung dieser Webseite geht auf eine Initiative der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Hameln zurück, die dabei mit den folgenden Institutionen kooperiert:

 

Autor

Der Autor Bernhard Gelderblom, der die Webseite erarbeitet hat, war lange Jahre in Hameln als Lehrer tätig und ist mit der jüdischen und der NS-Geschichte der Region vertraut.

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© Bernhard Gelderblom Hameln